»Ich trete an, um zu gewinnen«

Sven Schulze will in Chemnitz neuer Oberbürgermeister werden. Wir haben mit ihm über seine Kandidatur und seine Ziele als Oberbürgermeister gesprochen.

Lieber Sven, du bist Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Chemnitz. Eigentlich sollte die Wahl bereits jetzt vorüber sein. Dann kam Corona und nun wird am 20. September gewählt. Wie sehr hat das deine Planung durcheinander gewirbelt?
Sven Schulze: Ich hatte ja schon im vergangenen Jahr meine Bereitschaft zur Kandidatur signalisiert und angefangen, den Wahlkampf vorzubereiten. Wir lagen also für Juni gut im Zeitplan. Nun haben wir mehr Zeit, gebraucht hätten wir sie aber nicht. Am Ende ist es für mich aber egal, wann gewählt wird. Ich trete an, um zu gewinnen, egal ob Sommer oder Herbst ist.

Bevor du Finanzbürgermeister wurdest, warst du jahrelang in der Wirtschaft tätig und hast als Prokurist sogar die Verantwortung für ein großes ostdeutsches Energieunternehmen getragen. Macht dich diese Erfahrung zu einem besseren Kandidaten?
Sicher nicht zu einem besseren Kandidaten, aber hoffentlich zu einem guten OB. Nach meinen Jahren als Finanzbürgermeister weiß ich, wie eine Verwaltung tickt. Aber ich weiß eben auch, wie Unternehmen agieren. Sie sind nicht immer schneller aber oft pragmatischer. Leistung wird stärker belohnt als im öffentlichen Dienst. Es gibt andere Strukturen und z. T. ein anderes Denken – das versuche ich schon jetzt in die Stadtverwaltung einfließen zu lassen. Da ich auch Personalbürgermeister bin, konnte ich hier bereits einiges verändern und habe einige Unterstützer dafür gewonnen. Dabei zählt auch, dass wir Personen außerhalb der klassischen Verwaltungskarriere Möglichkeiten bieten, ins Rathaus zu kommen und ihre anderen Blickwinkel einzubringen. Das hat schon einiges verändert. Diesen Änderungsprozess möchte ich zukünftig in allen Bereichen der Verwaltung anregen und nicht nur in denen, für die ich aktuell verantwortlich bin.

Was hast du noch vor, wenn du Oberbürgermeister wirst?
Wirtschaft ist natürlich eines meiner großen Themen. Ich möchte den Forschungs- und Wirtschaftsstandort stärken. Aber nicht nur in der Stadt, sondern gemeinsam mit dem Umland. Südwestsachsen ist eine starke Industrieregion und die muss man zusammen denken. Jobs, die in der Region entstehen, helfen auch Chemnitz. Aber natürlich will ich noch viel mehr erreichen. Nur ein paar Stichpunkte: Ich will die Mobilität in der Stadt verbessern. Dazu gehört u. a. das Chemnitzer Modell weiterzubauen und so die Region mit der Stadt noch besser zu vernetzen. Ein wichtiges Thema für uns ist auch, der immer noch fehlende Fernbahnanschluss. Ich möchte, dass Chemnitz seinem Ruf als Sportstadt gerecht wird und sich die Bedingungen für Breiten- und Spitzensport verbessern. Außerdem setze ich mich für das Ehrenamt ein und möchte mehr engagierten Menschen als bisher attraktive Vergünstigungen anbieten. Ich setze mich für Sicherheit in allen Stadtteilen ein, möchte Orte der Freizeit aufwerten und ein Chemnitz für alle Menschen schaffen, zum Wohlfühlen und Hierbleiben. Eine Stadt die gemeinsam für den Erfolg der Stadt arbeitet und sich nicht spaltet. Und auf die wir hier vor Ort oder auch andere mit Respekt blicken. Aber besonders freuen würde ich mich, wenn wir europäische Kulturhauptstadt werden. Wir werden 2025 großartiger Gastgeber für Menschen aus aller Welt werden.

Hattest du dir mal überlegt, Chemnitz zu verlassen?
Ich war doch schon mal weg, aber nur kurz, während meines Auslandsstudiums in London. Seither hat sich diese Frage für mich nicht gestellt. Chemnitz ist meine Heimat, in der ich mich wohlfühle, meine Kinder groß werden, in der ich gern lebe. Genau darum möchte ich Oberbürgermeister werden. Bisher ist Chemnitz eine Stadt für den zweiten Blick. Ich werde dafür arbeiten, dass noch mehr Menschen sehen, wie lebenswert Chemnitz ist.


Du trittst zum ersten Mal für ein solches Amt an. Welche Erfahrungen hast du mit Wahlkämpfen?
Ich habe die letzten beiden erfolgreichen OB-Wahlkämpfe in Chemnitz als damaliger Vorsitzender der SPD Chemnitz geleitet. Mit der jetzigen Situation sind die Wahlkämpfe aber nicht vergleichbar. Und das nicht nur, weil das Internet und die sozialen Medien eine immer größere Bedeutung einnehmen. Durch die Hygieneregeln müssen viele „klassische“ Wahlkampfinstrumente auf den Prüfstand. Teilweise finden wir neue Wege, um für unsere sozialdemokratischen Inhalte und meine persönlichen Akzente zu werben. Aber einige bewährte Dinge, wie Wahlkampfstände, werden wir dennoch haben – unter neuen Hygienemaßgaben.

Du giltst bei vielen GenossInnen als kühler, strategischer Kopf. Bist du auch bei deinem Wahlkampf Mr. Cool?
[lacht] Nun, wer mich näher kennt, der weiß, dass ich viel mehr bin als nur ein „nüchterner Zahlenmensch“. Vielleicht kann ich meine Gefühle gut verbergen und ja, wir sind strategisch gut aufgestellt, um zu gewinnen. Aber wenn ich an den Wahltag denke, bin ich schon ganz schön aufgeregt.

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